Liebe EU – so wirds nichts mit dem Binnenmarkt

16.10.2014 | Allgemein, Blog

Die Europäische Union propagiert gerne den Binnenmarkt als eines ihrer Ziele und brüstet sich gar häufig damit, Wächter desselben zu sein und allen Unternehmen zu ermöglichen, überall innerhalb der europäischen Union Waren und Dienstleistungen verkaufen zu können. Ab 01. Januar 2015 treten nun neue, von Brüssel induzierte Umsatzsteuerregeln in Kraft. Diese besagen vereinfacht ausgedrückt, dass ein jeder Händler beim Verkauf von elektronisch vertriebenen Produkten an Privatkunden im EU Ausland die Umsatzsteuer des Ziellandes berechnen und ins Zielland abführen muss.

Überspitzt formuliert bedeutet das im Extremfall, dass jeder betroffene Händler oder Dienstleister die umsatzsteuerlichen Vorschriften von 28(!) EU Mitgliedstaaten zu beachten hat und zwar „Up to date“. Füllen die Vorschriften des deutschen Umsatzsteuerrechts bereits dicke Wälzer, kann sich ein jeder ausmalen, wieviele Regalmeter Vorschriften hier dazukommen. Davon ab, dass manch ein ERP System und die meisten Shopping Cart Systeme die Zuordnung von 28 verschiedenen Umsatzsteuerregelungen nicht vorsehen. Liebe EU, so wird das nix mit dem Binnenmarkt!

Das Feigenblatt der deutschen Umsetzung sieht vor, dass sich betroffene Händler zentral hierzulande registrieren können – es entbindet den Unternehmer aber nicht davon, die Umsatzsteuer des Ziellandes korrekt zu berechnen und einzutreiben. Leicht auszumalen ist, dass sich diese Vorschriften in 28 Ländern auch alle naselang ändern – ein Aufwand den gerade kleinere, mittelständisch geprägte Händler nicht werden vernünftig leisten können.

So wird die Idee eines einheitlichen Binnenmarktes ohne echte Not mit Füssen getreten. Für uns als Unternehmen, das seine Produkte auch ins Ausland vertreibt bedeutet dies, dass wir voraussichtlich den Vertrieb unserer Verschlüsselungslösungen an Privatkunden im EU Ausland einstellen werden. Der Rest der Welt darf weiter bei uns einkaufen – ein Treppenwitz der Umsatzsteuergeschichte! Alternativ können wir überlegen, aus unserer Software ein physikalisches Produkt zu basteln, womit der EU Auslandskunde in den „Genuß“ zusätzlicher Versandkosten kommt, während unsere Schweizer Freunde und das Nicht EU-Ausland weiter gpg4o zum Download ohne Versandkosten beziehen kann – ein klarer Nachteil für EU-Bürger. Wir könnten natürlich auch ganz generös das Produkt künftig verschenken. Da fühlen sich dann künftig all diejenigen veräppelt, welche bislang als Privatpersonen Geld in Mailverschlüsselung investiert haben.

Nun, wir werden uns entscheiden müssen. So oder so wird am Ende des Tages kaum jemand wirklich verstehen, warum wir unser Geschäftsmodell ändern mussten – nämlich um trotz der generösen Regelungen zum europäischen „Binnenmarkt“ innerhalb der europäischen Union noch hochwertige Verschlüsselungssoftware an Jedermann online anbieten zu können.

Kommentare

Thomas Schmitt |

Man hätte erwartet, dass es zum Zusammenwachsen der Unternehmen innerhalb der EU einfachere Regelungen für Geschäfte gibt, als mit dem Ausland. Das Gegenteil ist der Fall. Es ist heute bedeutend einfacher, außerhalb der EU ein elekronisches Geschäft abzuwickeln. Man gewinnt den Eindruck, das es wichtiger ist, innerhalb der EU den „Amts-Schimmel“ zu reiten, der uns massiv administrativ belastet, als für substantielles Wachstum zu sorgen. Weiter so und wir verlieren weiter im internationalen Wettbewerb.

Zudem:

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man z.B. ein amerikanisches Unternehmen dazu bringen wird, eine Umsatzsteuervoranmeldung in Frankreich auszufüllen für ein Produkt, was dieses in einem amerikanischen Shop in US$ an einen Europäschen Franzosen verkauft. Das würde nach sich ziehen, dass die „ganze Welt“ künftig die VAT im Empfängerland versteuert. Das werden wir wohl nicht mehr erleben. Ergo: Eine Wettbewerbsverzerrung zum Vorteil des außereuropäischen Auslands. Vielleicht ist das ja ein Vorgeschmack auf TTIP?

Ist es also administrativ Sinnvoll, eine Tochtergesellschaft außerhalb der EU zu platzieren, die dann „zurück“ in die EU verkauft und dadurch erhebliche, unkalkulierbare Risiken und administrative Kosten vermeidet? Früher hieß es „armes Deutschland“ – wenigstens das hat man jetzt EU-weit exportiert 🙂

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