Abenteuer Internetprävention für Schüler – Ein Zustandsbericht

27.02.2014 | Blog, Internetprävention

Spannend ist es jedes Mal. Was wird uns „heute“ wieder begegnen. Welche Fragen werden wir beantworten dürfen. Präventionsveranstaltungen zum Thema soziale Netzwerke, Internet und den zugehörigen Geräten entpuppen sich immer wieder als spannende Abenteuer, lehrreich für alle Seiten – Schüler, Lehrer und Vortragende.

Seit Ende 2011 führe ich gemeinsam mit meinem Kollegen Christian Schülke von schuelke.net Vortrags- und Demoveranstaltungen für Schüler und Auszubildende an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen durch. Seit Anfang des Jahres haben wir mit Markus Wortmann einen dritten Mitstreiter, der als Kriminologe und Polizeiwissenschaftler oft genug beruflich damit konfrontiert ist, die Scherben aufzukehren, wenn (nicht nur) Jugendliche in Unwissenheit, fahrlässig oder bewusst gesellschaftliche wie juristische Spielregeln ignorieren, die auch für das Zusammenleben im Netz gelten.

Für Lehrer und Sozialarbeiter an Schulen gehört der Umgang mit den Folgen solchen Tuns auch zur regelmässigen Befassung. So nimmt es nicht wunder, wenn mehr und mehr Lehrkräfte und Schulleiter gerne externe Hilfe in Anspruch nehmen mit dem Ziel, durch Prävention die Zahl der Fälle von Cybermobbing, Blauäugigkeit und Internetkriminalität zumindest zu senken.

Niemand sollte übrigens Schülern unterstellen, sie wären nicht interessiert. Wir erleben regelmässig das Gegenteil bei unseren Veranstaltungen! Traurig stimmt mich hingegen die Teilnahme der Eltern. Speziell an allgemeinbildenden Schulen wurden regelmässig für den Abend die Eltern aller Schüler eingeladen (nicht nur der Schüler, die wir morgens in den Vorträgen hatten). Über die Gründe zu spekulieren verbiete ich mir hier, festzuhalten bleibt mit schöner Regelmässigkeit: Vormittag 600-800, oft sehr interessierte Schüler, abends zwischen null(!) und maximal vierzig Eltern in der Spitze. Denjenigen die kamen sei für ihr Interesse und die dann auch gute Kommunikation jedenfalls herzlich gedankt.

An Schulen, die wir erneut besucht haben, durften wir regelmässig feststellen: Die jüngeren Jahrgänge wurden von den älteren regelmässig darüber „aufgeklärt“ mit welchen Demos wir aufzeigen, dass der Gebrauch von Handy, Smartphone und PC doch so seine Tücken hat. Manch ein vorwitziger Schüler meinte schon: „Wir wissen was Sie machen aber uns kriegen Sie nicht.“ Nun – auch wir entwickeln uns weiter und haben wir doch auch im neuen Durchlauf neue Themen in petto.

Apropos vorwitzige Schüler: Sie finden in jedem Auditorium von meist zwischen 200 und 300 Schülern pro Durchlauf im Mittel folgendes vor:

  • Eine Handvoll Schlaumeier. Euch haben wir besonders lieb – gibt auch eine Extrabehandlung
  • 10-15 Teilnehmer (Lehrer inklusive!) die nicht dem Gebrauch von Passwörtern frönen.
  • Einige wenige, die in der Lage sind korrekt wiederzugeben wie gute Passwörter aussehen
  • Praktisch keinen, der weis, wie ein sicherer PC auszusehen hat (Na von Virenscannern und Firewall wissen dann doch noch einige!)
  • Zwei Handvoll Menschen, denen schon mal ein Smartphone gestohlen wurde und nur gaaanz wenige, die es wieder bekamen.
  • Ganz wenige die wissen, dass sich auf Smartphones persönliche Daten auch verschlüsseln lassen.
  • Besonders in den höheren Jahrgängen einige die bereits Abmahnungen ins Haus bekamen wegen Urheberrechtsverletzungen und ganz schön viele die jemanden kennen, dem so etwas schon passiert ist.
  • Nur wenige denen unsere Hinweise zum Thema Cybermobbing und die gebrachten Realbeispiele lustig schienen.
  • Praktisch niemanden, der von sich behauptet, ganz sicher kein urheberrechtlich geschütztes Material (Musik oder Filme oder was auch immer) illegal heruntergeladen zu haben.
  • … und vieles mehr

Man findet auch immer wieder Schüler vor, welche bereits wegen solcher Themen mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Wir sind aber guter Dinge, mit unseren Vorträgen den Einen oder die Andere vor solchem Tun in Zukunft bewahren zu können.

Unser Dank muss an dieser Stelle denjenigen gelten, die durch Organisation und finanzielle Mittel ermöglichen, dass solche Veranstaltungen an Schulen und Berufsschule stattfinden können. In diesem Sinne fahren wir gerne fort in der Hoffnung, ja Gewissheit, die Lebenswelt unserer Jugend ein bisschen sicherer machen zu dürfen.

Kommentare

Markus Wortmann |

Aktive Kriminalprävention kann nur in einem sich selbst verstärkendem Netzwerk und auf wertschätzender Basis funktionieren. Das dies funktionieren kann, verdeutlichen die gemeinsam mit der IHK Offenbach am Main, Giegerich & Partner, WEISSER RING e.V. mit Unterstützung des Polizeipräsidiums Südosthessen (Internetprävention) ausgerichteten Veranstaltungen zum Thema Tatort Internet. Eine WIN-WIN Situation für alle Zielgruppen und Akteure. Die Vermittlung von Internetsicherheit und die Erlangung von Medienkompetenz stellt die Grundvoraussetzung im Umgang mit den Neuen Medien dar und kann einen wirkungsvollen Schutz des ungewollten Opferwerdens durch sogenannte Cyberkriminelle darstellen. Diese Art der Veranstaltungen, sollten auf regionaler und überregionaler Ebene Schule machen. Aus meiner Sicht ein spannendes Betätigungsfeld. Durch die Darstellung von praktischen Beispielen zu den einzelnen Phänomen rund um das Tatmittel Internet, werden die Beteiligten in ihrem Rollenverständnis interaktiv begleitet und gefordert, wenngleich gefördert und sensibilisiert. Pädagogisch und methodisch sinnvoll und lösungsorientiert. Zudem sollte vielen bewusst sein, dass diese Zielgruppen mit den Neuen Medien aufgewachsen sind und die Erziehungsverantwortlichen Instanzen, aber auch die verantwortlichen Pädagogen durchaus in diesem Themenkomplex optimierungsbedürftig sind. Eine Herausforderung, der wir uns gemeinsam stellen sollten. Vielen Dank an ALLE Unterstützer, ohne deren Hilfe diese Veranstaltungen, in dieser Professionalität nicht hätte stattfinden können. Gemeinsam handeln – mehr erreichen, für ein sicheres Netz! Eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Wir sollten viel mehr miteinander anstatt übereinander Reden! Der Bedarf ist da. Die Zielgruppen wünschen sich Informationen in diesem komplexen und schnelllebigen Bereich und fordern Aufklärung, also…….“…..I have a Dream“

Nachbericht – Internetprävention an beruflichen Schulen | Giegerich & Partner GmbH |

[…] und begleitet von einigen Zeitungen, sowie Rhein-Main TV ist zu dem neulich berichteten Abenteuer Internetprävention ein weiteres Kapitel hinzu […]

Monika Mathé |

Als IT-Expertin mit Schwerpunkt Onlineshops halte ich Prävention in Sachen Internetsicherheit für absolut essentiell, werden doch dabei sensible Daten verarbeitet und gespeichert.

Als Mutter zweier Teenager wird mir zudem jeden Tag aufs Neue bewusst, wie verantwortungslos, geradezu fahrlässig mit Medien umgegangen werden kann, die so leicht bedienbar sind und durchaus intuitiv wirken – doch in vielen Fällen genauso wenig beherrschbar sind wie Goethes Zauberbesen. Da werden WLAN Passwörter auf Geburtstagspartys herausgegeben, damit alle Teenies schneller Videos laden können. Es wird mit wildfremden Personen gechattet und gespielt, sensible Daten wie Alter, Schule und Wohnort – und nicht zuletzt oft kompromittierende Fotos! – herausgegeben.

Das Einzige, was hier helfen kann, ist Aufklärung, Prävention, Intervention, und das Ganze flächendeckend und idealerweise von extern gesteuert. Warum das? Weil es in der Natur der Sache liegt, dass junge Menschen aufmerksamer zuhören und aufnahmefähiger sind, wenn Information nicht aus dem engsten Umfeld kommt. Selbst Eltern, die sich auskennen, werden oft belächelt, wenn sie ihren „heimischen Präventionsvortrag“ halten. Und auch den Lehrern an der eigenen Schule fühlen sich viele Teenager technisch bei weitem überlegen. Habe ich selbst mir einen Präventionsvortrag angehört, gerichtet an Erziehungsverantwortliche, obwohl ich „aus der Branche“ bin? Ja! Konnte ich noch etwas lernen? Aber sicher doch! Und habe ich auch meine Kinder an Informationsveranstaltungen teilnehmen lassen? Ja, das habe ich. Und die Live-Demos dessen, was so alles passieren kann, waren in der Tat beeindruckend, ja sogar erschreckend.

Das Internet vergisst nie. Dieses Nicht-Vergessen, die fehlende Möglichkeit, wiedergutzumachen, was einmal geschehen ist, erinnert mich immer an einen Spruch in meinem Poesie-Album: „Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten, aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.“ Wir erklären unseren Kindern, dass sie Käfer nicht zertreten sollen. Wir lassen sie Rad-Führerscheine und Schwimmabzeichen machen. Ganz genauso müssen wir vorgehen, wenn es um Neue Medien geht. Diese haben einen nicht zu leugnenden Nutzen, bergen jedoch ebenso auch große Gefahren, denen wir unsere Kinder niemals schutzlos ausliefern dürfen.

Dipl.-Ing. Monika Mathé
Senior Consultant & Developer
Online Shop / CRM Expert
Oracle Certified Database Administrator (OCP DBA)

Hajo Giegerich |

Ich fand die Vergleiche mit dem Rad-Führerschein und dem Schwimmabzeichen interessant. Als Eltern (habe selbst vier Kinder) kennen wir diese Prozeduren, die ja auch präventiven Charakter haben (richtiges Verhalten im Straßenverkehr, Verhinderung von Wasserunfällen) ja schon aus eigener Erfahrung. Das können wir dann auch leichter weitergeben.

Mit dem schier undurchschaulichen Internet tun sich die meisten Eltern schwer, denn mit derartigen Präventionsgeschichten haben sie meist keine Erfahrung – woher auch? Gerne würde ich schon deswegen verstärkt in der Internetprävention mit Eltern und Kindern arbeiten. Womit wir dann wieder bei meiner Klage wären, dass wir zwar die Jugendlichen, schwer aber die Eltern erreichen. Was lebt ist die Hoffnung, dass die Generation unserer Kindeskinder auch diese präventiven Themen kennt und sich damit auch leichter tut. Vielleicht müssen wir, so ungeduldig wir auch sind, tatsächlich in Generationen denken?

Ihr Kommentar

* Die markierten Felder sind Pflichtfelder. Bitte ausfüllen.

Kommentar *

Bitte beachten Sie vor dem Eintragen die Datenschutzerklärung). .